
Geräte und Maschinen müssen sicher sein ‒ das ist ein berechtigtes Anliegen. Dazu tragen auch Bedienungsanleitungen und andere Technische Dokumentationen bei.
Deshalb hat der Gesetzgeber ‒ gerade in den letzten Jahren ‒ mehrere Gesetze und Richtlinien erlassen.
Hier als SnipBook
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aus der gedruckten Version von 2015 übernommen
und als SnipBook gespeichert.
Aus jetziger Sicht, würde
ich die Texte noch mehr kürzen
und noch mehr in SnipBook-Didaktik umbauen.
Leider sind heute in der Technischen Dokumentation einige falsche Ansichten vorherrschend:
· Die
Anleitung muss rechtssicher sein.
Das genügt m.E. nicht. Eine Anleitung muss in erster Linie verständlich sein
und muss den Anwender dazu befähigen, das Gerät zu benutzen. Kein Pkw-Hersteller
würde das Ziel formulieren, einen rechtsicheren Pkw zu konstruieren. Natürlich
muss er sich an unzählige Gesetze und Normen halten. Sein Ziel ist es aber vor
allem, nutzbare Pkw's zu
bauen.
· Wenn ich (als TR oder Hersteller) genügend Warnhinweise eingefügt habe, bin ich gegen eventuelle Regressansprüche gefeit (falsch!).
Gerade die letzte Ansicht ist in mehrerer Hinsicht fatal:
1. Viele Anleitungen sind aufgrund zu vieler und zu groß gestalteter Warnhinweise unlesbar.
2. Wenn ein Schaden eintritt, wird einem Richter der Warnhinweis nicht genügen, wenn die Anleitung zum richtigen Handeln fehlt oder missverständlich ist.
3. Die große plakative Gestaltung ist zudem in den Verdacht geraten, kontraproduktiv zu wirken.
Mit diesem Buch möchte ich zeigen, wie verständliche und sichere Anleitungen erstellt werden können.
Anleitungen können nur dann rechtssicher sein, wenn sie ihre Aufgabe als Benutzerinformation erfüllen.
Gerade unter diesem Aspekt spielen die „sicherheitsbezogenen Informationen“ eine bedeutende Rolle. Die Aufteilung in das Kapitel „Sicherheit“ und in die Warnhinweise bietet uns als TRs einen geeigneten Rahmen. Sie greift aber zu kurz, weil sie nicht ausdrücklich die Anleitung zur „richtigen Bedienung“ fordert.
Aus meiner Sicht muss das Thema „Sicherheit“ neu betrachtet werden:
· Die richtige Bedienung ist wichtig.
· Die Anleitung zum richtigen Handeln muss sicherheitstechnisch in mehreren Stufen optimiert werden.
· Die Warnung vor Gefahren ist zwar meist sinnvoll, aber nicht in allen Fällen.
· Die starre Struktur gemäß SAFE ist in vielen Fällen didaktisch ungeschickt.
Mit dem vorliegenden Buch lege ich ein Konzept vor, das den Schwerpunkt stärker auf die richtige Bedienung legt und Handlungsanweisungen didaktisch aufbaut und sicherheitstechnisch optimiert ... bis hin zum Warnhinweis.
„Ist Ihr Konzept auch rechtssicher?“, werde ich natürlich häufig gefragt. Meines Erachtens: eindeutig ja.
Bitte bilden Sie sich Ihre eigene Meinung, ob Sie meiner Herleitung folgen können und ob Sie das vorgelegte Konzept schlüssig finden.
Nicht Normen und Juristen bestimmen, wann eine Anleitung sicher ist. Wir ‒ als Technische Redakteure ‒ sind gefordert, Anleitungen mit Know-how zu schreiben, so dass sie verständlich, anwendbar und sicher sind.
Ich habe mich bemüht, die Sicherheits- und Warnhinweise in Form von Warnzeichen richtig und einheitlich darzustellen. Leider werden die Grafiken (in diesem Fall die Warnzeichen) in eBook-Formaten nicht immer so wie gewollt dargestellt (mitunter sind sie sehr klein oder z.B. im Kindle-Reader auf dem iPad sehr groß).
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Ich bevorzuge die Darstellung des Warnzeichens vor dem
Signalwort in ca. 120 % bis 200 % der Versalhöhe.
1 TRs sind verunsichert
Falsche Vorbilder und Vorlagen, falsch verstandene Vorschriften;
Hersteller möchten sich durch Warnhinweise absichern;
schwer verständliche Vorgaben;
Ratschläge von Juristen, die keine Sachkenntnis haben, wie es „richtig“ geht.
2 Zu viele Warnungen machen Anleitungen unbrauchbar
Anleitungen mit plakativen Sicherheitshinweisen wirken abstoßend;
die fetten Sicherheitshinweise unterbrechen den Lesefluss;
die Gestaltung regt nicht zum Lesen an;
selektives Lesen (Überspringen der Warnhinweise) wird gefördert.
3 Ein neues Sicherheitskonzept ist notwendig
Es muss neu die Frage gestellt werden: Welches Ziel verfolgen Sicherheits- und Warnhinweise?
4 Sicherheitsverständnis aufbauen
Abgrenzung der sicheren von den unsicheren Bereichen;
didaktische Sicherheitshinweise;
Aufmerksamkeit einfordern, Sicherheitsregeln nennen.
5 Richtig anleiten
Die „richtige“ Anleitung ist die Voraussetzung für ein sicheres Handeln;
einzelne Handlungsschritte können für das Erreichen des richtigen Handlungsergebnisses sicherheitsrelevant sein.
6 Handlungsanweisungen sicher machen
Die Handlungsanweisung kann gezielt verbessert werden, damit sie sicherer wird ‒ ggf. mit anschließender Präzisierung, Betonung und Verbot, ggf. mit integriertem Warnhinweis (Art und Quelle, Folgen bei Nichtbeachtung).
7 Plakativer Warnhinweis nur noch im Ausnahmefall
Nur in Ausnahmefällen plakativ und gemäß SAFE strukturiert.
Ich beziehe mich vorwiegend auf Anleitungen.
Wie Sie wissen, gibt es in der Technischen Dokumentation die unterschiedlichsten Dokumente. Ich beziehe mich auf alle Informationsmittel, in denen der Benutzer dazu angeleitet wird, etwas zu tun. Diese Anleitungen ‒ ob nun auf Papier oder elektronisch, ob als Text oder als Video ‒ müssen den Anwender richtig anleiten und ihn ggf. vor Gefahren warnen, so dass er sicher handeln kann.
Als TR oder Hersteller ist es unser Ziel, Anleitungen so zu verfassen, dass sie der Anwender in Handlungen umsetzen kann, ohne sich dabei zu gefährden und ohne ein falsches Handlungsergebnis zu erzielen, das seinerseits gefährlich ist.
Es kann nicht das hauptsächliche Ziel sein, rechtssichere Anleitungen zu schreiben, denn dieses Ziel gibt uns keine oder zu wenig Hinweise darauf, wie die Anleitung geschrieben werden muss.
Wir sollten uns vielmehr auf unsere Kompetenz als TR besinnen und das Ziel einer Anleitung unter besonderer Berücksichtigung der Produkt- und Anwendungssicherheit näher untersuchen.
Unser Ziel ist es, eine Anleitung zu schreiben, die der Anwender in Verständnis und in Handlungen umsetzen kann. Das bedeutet im Einzelnen:
· Der Anwender soll durch das Lesen der Anleitung ein klares Verständnis vom Gerät erhalten. Dazu gehören:
§ klare Erwartung an die Leistung (bestimmungsgemäßer Gebrauch, Nutzen),
§ Vorstellung von Aufbau und Funktion und von der Funktionsweise,
§ Erwartung an die Sicherheit und Kenntnis der Anwendungsbereiche, in denen eine besondere Aufmerksamkeit bzw. ein besonderes Wissen erforderlich ist (Sicherheitsverständnis).
· Der Anwender soll durch das Lesen der Anleitung in die Lage versetzt werden, die gewünschten Handlungen sicher auszuführen, so dass das vorgesehene Handlungsergebnis sicher erreicht wird.
Grundsätzlich müssen wir zwischen drei Gefahren unterscheiden, die in einer Anleitung unterschiedlich behandelt werden müssen.
1. Gefahrenpunkt
Das ist ein Ort oder ein Maschinenteil, bei dem ‒ unabhängig von der Bedienung ‒ eine Gefahr droht, z.B.:
· rutschige Stelle im Maschinengelände,
· offenes Maschinenteil, in das man nicht hineingreifen darf,
· heiße Stelle, Glut, Feuer ...
· Als Warnung vor einem Gefahrenpunkt dient am besten ein Warnschild am gefährlichen Ort.
· Außerdem kann im Kapitel „Sicherheit“ ein solches Schild wiederholt werden, oder es kann durch einen entsprechenden Warnhinweis gewarnt werden.
2. Gefahr beim Handeln
Gefahr, die dadurch entsteht, dass nicht richtig (sachkundig, aufmerksam) gehandelt wird, z.B.:
· Gefahr beim Sägen mit einer Baumsäge,
· Gefahr beim Heben mit einem Kran,
· Gefahr beim Kleben mit einem Schnellkleber.
· Zur Abwendung einer Gefahr beim Handeln hilft vor allem eine konkrete Anleitung, die den Anwender dazu befähigt, richtig zu handeln und dabei die Gefahr zu vermeiden:
§ die richtige Handlung muss ggf. betont werden;
§ möglicherweise muss die Art und Quelle der Gefahr und/oder müssen die Folgen bei Nichtbeachtung angegeben werden, um die Gefahr und die Notwendigkeit des richtigen Handelns deutlich zu machen.
3. Gefahr aus fehlerhaftem Handlungsergebnis
Gefahr, die dadurch entsteht, dass der Anwender die Handlung nicht richtig ausgeführt hat, z.B.:
· ein Regal ist nicht an der Wand befestigt, es kann umfallen und Personen verletzen,
· ein Überrollbügel (zur Selbstmontage) wird nicht richtig montiert und schützt nicht bei einem Unfall.
... und wie wird gezielt gewarnt?
Um sicher anzuleiten, sind unterschiedliche Anweisungen, Warnhinweise usw. erforderlich.
· Zur Abwendung der Gefahr, dass ein fehlerhaftes Handlungsergebnis entsteht, hilft vor allem die richtige Anleitung, wie (genau) gehandelt werden muss
§ plus ggf. der Hinweis, worauf beim „Richtigmachen“ geachtet werden muss,
§ plus ggf. ein Warnhinweis auf mögliche Folgen bei Nichtbeachtung
§ plus ggf. eine
Möglichkeit, das Handlungsergebnis zu prüfen.
Die Gesetze, Richtlinien und Normen für die Technische Dokumentation zielen hauptsächlich darauf ab, dass die Anwendung für den Benutzer sicher sein muss, dass niemand zu Schaden kommen darf und dass kein Sachschaden entstehen soll.
Für uns TRs gibt die DIN EN 82079-1 etwas genauer vor, wie Sicherheits- und Warnhinweise in Anleitungen formuliert und gestaltet werden sollen. Beachten Sie dafür unbedingt die folgenden Kapitel der Norm:
|
5.5 Sicherheitsbezogene Informationen · Sicherheitshinweise · Warnhinweise 6.8 Sicherheitsbezogene Informationen hervorheben und auffällig machen · Text, visuelle Darstellungen auffällig machen · Warnhinweise hervorheben |
Leider gibt es viele weitverbreitete Irrtümer darüber, wie Warn- und Sicherheitshinweise formuliert und gestaltet werden müssen, z.B.:
· Warnhinweise müssen gemäß SAFE strukturiert sein: falsch!
· Warnhinweise müssen als auffälliger Kasten formatiert werden: falsch!
· Der Warnhinweis muss vor dem betroffenen Handlungsschritt stehen: nicht unbedingt!
· Das Kapitel „Sicherheit“ muss vorwiegend Warnhinweise enthalten, und die Informationen müssen durch Gefahrensymbole hervorgehoben werden: falsch!
Die Sicherheit in Anleitungen soll laut DIN 82079-1 durch zwei Maßnahmen erreicht werden:
· Kapitel „Sicherheit“,
· Warnhinweise,
· (Produktsicherheitslabel/Sicherheitszeichen betrachte ich hier nicht).
Meine Analyse hat ergeben, dass in den die Sicherheit betreffenden Normen und Richtlinien das Gewicht nicht oder nur unzureichend auf die „richtige Handlung“ gelegt wird.
Meiner Meinung nach bildet aber die „Anleitung zur richtigen Handlung“ den Schlüssel für eine sichere Anwendung. In allen Fällen muss deshalb zuerst eine klare Anleitung erstellt werden. Erst bei der Betrachtung der „richtigen Anleitung“ kann der TR einschätzen, ob die Anleitung ausreicht oder ob sie noch ergänzt bzw. mit Warnhinweisen versehen werden muss.
Deshalb habe ich die vorangegangene Aufzählung um die „richtige Anleitung“ erweitert:
· Kapitel „Sicherheit“,
· richtige Anleitung,
· Warnhinweise.
Handlungen können vom Anwender nur dann sicher ‒ im Sinne von Sicherheit ‒ umgesetzt werden, wenn die Anleitung konkret, eindeutig und unmissverständlich ist.
Als die am besten geeignete Form hat sich dabei die Handlungsanweisung mit konkreten Handlungsschritten bewährt:
· Konkrete Handlungsaufforderungen im Imperativ oder in persönlicher Anrede.
· Ggf. unterstützt durch ein Bild, das den Handlungsschritt und/oder die betroffenen Teile realistisch oder als Schema zeigt.
· Die Handlungsschritte sollten aus didaktischen Gründen immer in die Struktur der Handlungsanweisung eingebettet sein (Überschrift, Handlungsziel, ggf. Voraussetzungen, Schritt für Schritt ggf. mit Feedback, Handlungsergebnis, ggf. Ausblick). Siehe auch Juhl 1).
Bei der Formulierung einer Handlungsanweisung müssen stets das Vorwissen und das Sicherheitsempfinden der potentiellen Anwender berücksichtigt werden (siehe nächster Abschnitt).
Wenn es um die Sicherheit in der Anleitung geht, müssen Sie in den folgenden Fällen besonders sorgfältig arbeiten:
· Gefahr
beim Handeln:
Handlungsschritte, bei denen die richtige Handlung eine Voraussetzung für die
Sicherheit ist:
§ besonders sorgfältig anleiten (eindeutige, klare Anweisungen, ggf. durch ein Bild unterstützen),
§ ggf. mit Warnungen versehen (siehe auch spätere Hinweise).
· Gefahr
durch ein falsches Handlungsergebnis:
Handlungsschritte, die für das Erreichen eines sichereren Handlungsergebnisses
besonders wichtig sind:
§ besonders sorgfältig anleiten (z.B. Regal gegen Umfallen sichern),
§ ggf. auf Folgen bei Nichtbeachten hinweisen,
§ ggf. Methode zur Prüfung anbieten (oder sogar vorschreiben).
Für das Schreiben einer Anleitung ist meistens die Kenntnis der Zielgruppe hilfreich. Wenn wir nicht von der Jedermann-Zielgruppe ausgehen, sollte eine Einschätzung oder besser eine konkrete Analyse der Zielgruppe vorgenommen werden.
· Einschätzung: Die Zielgruppe kann aufgrund der zu erwartenden Erfahrungen eingeschätzt werden (z.B. Erfahrungen im Vertrieb, bei Servicetechnikern ...).
· Eine Einschätzung kann sich auch aus Gesprächen mit einzelnen Anwendern ergeben.
· In einer (richtigen) Zielgruppenanalyse werden die Eigenschaften der Anwender systematisch untersucht.
Dabei unterscheiden wir meistens:
· Jedermann ohne besonderes Vorwissen, mit normalerweise zu erwartenden Allgemeinkenntnissen und mit einem normalen Sicherheitsbewusstsein.
· Gruppe von Jedermann, bei der eine bestimmte Einstellung erwartet werden kann (z.B. Jugendliche mit höherer Risikobereitschaft, Maschinenbediener mit hohem Verantwortungsbewusstsein).
· Gruppe von Jedermann, bei der ein bestimmtes Vorwissen und bestimmte Erfahrungen erwartet werden können (z.B. Heimwerker).
· Werktätige, bei denen eine bestimme Erfahrung im Umgang mit ähnlichen Techniken vorausgesetzt werden kann (z.B. Maschinenbediener).
· Fachleute, bei denen ein bestimmtes Vorwissen vorausgesetzt werden kann (z.B. MTA, Ingenieure).
· Personen, die eine bestimmte Ausbildung oder Einweisung erhalten haben und die ‒ per Abschluss oder Zertifikat ‒ ein bestimmtes Vorwissen und ein Sicherheitsempfinden haben sollten.
Ein technischer Redakteur stellt sich meistens auf seine Zielgruppe ein. Dabei handelt es sich zum einen um konkretes Wissen (z.B.: die Zielgruppe kennt die Fachbegriffe xyz ...). Vielfach erfolgt aber auch ein Antizipieren der Zielgruppe. Dabei hilft z.B. das häufig praktizierte Ansehen einer Person („für diese Person schreibe ich“).
Die folgenden Leitfragen sollen dabei helfen, die Besonderheiten der Zielgruppe in Bezug auf die Sicherheit zu berücksichtigen:
· Kennt
der Anwender die Gefahr und geht er auch sonst mit solchen Gefahren
verantwortungsbewusst um?
(Ein Erwachsener kennt beispielsweise den Umgang mit einer 230-V-Spannung, er
kennt die Gefahr der elektrischen Spannung, er fasst offenliegende Kontakte
nicht an ...).
· Ist
die Gefahr für den Anwender (aufgrund seiner Erfahrung) wahrnehmbar oder taucht
sie plötzlich aus dem Nichts auf?
(Der Bruch eines Sägeblatts kündigt sich z.B. durch Geräusche an, die ein
erfahrener Anwender zu deuten weiß.)
· Weiß
der Anwender, dass die Handlungen, die er ausführen will, Kenntnisse,
Geschicklichkeit und Aufmerksamkeit erfordern?
(Das Sägen mit einer Kettensäge erfordert Kenntnisse über das richtige Ansetzen
usw.)
· Können
die erforderlichen Sicherheitsregeln beim Anwender vorausgesetzt werden?
(Ein Kranführer weiß, dass sich unter einer schwebenden Last keine Personen aufhalten
dürfen. Ein Elektriker hat die 5 Sicherheitsregeln vor Arbeit an elektrischen
Anlagen „im Blut“.)
· Bewertet
der Anwender die Gefahr realistisch oder verharmlost er die möglichen Folgen?
(Viele nicht-professionelle Anwender unterschätzen die Gefahr, von der Leiter
zu fallen).
· Schätzt der Anwender die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Gefahr realistisch ein?
· Überschätzt
der Anwender seine Fähigkeit, eventuellen Gefahren durch Kraft oder
Schnelligkeit ausweichen zu können?
(Viele Autofahrer überschätzen ihr Reaktionsvermögen beim zu dichten
Auffahren).
Bei gefährlichen Handlungsschritten haben wir (als TRs) mehrere Möglichkeiten, richtig anzuleiten, wichtige Aspekte zu betonen, Handlungen zu verbieten oder auf bestehende Gefahren hinzuweisen.
Deshalb habe ich die „Handlungsanweisung mit Eskalation“ entwickelt, die in Stufen eskaliert werden kann, um die Handlungsanweisung ‒ je nach Erfordernis ‒ zu verschärfen.
Meines Erachtens sollte man als TR zunächst alle Möglichkeiten der konkreten Anleitung ausnutzen, bevor man einen Warnhinweis einsetzt.
Die Eskalationsstufen möchte ich Ihnen im Folgenden vorstellen.
Überblick
Die eskalierte Handlungsanweisung bezieht sich nur auf Handlungen, die sicherheitsrelevant sind, bei denen also ein Handlungsschritt gefährlich sein kann, oder bei denen das erreichte, falsche Handlungsergebnis gefährlich sein kann.
|
Stufe |
Eskalation |
Beschreibung |
|
Handlungs-anweisung |
Leiten Sie so gut wie möglich zur richtigen Handlung an. |
|
|
2 |
Bild der Handlung |
Zeigen Sie die richtige Handlung ggf. mit einem Bild der Handlung oder der Bedienelemente · realistisch (als Foto oder Zeichnung) oder · schematisch, z.B. mit Pfeilen |
|
3 |
Präzisierung |
Präzisieren Sie die Handlungsanweisung, wenn sie nicht eindeutig ist oder wenn sie fehlverstanden werden kann. |
|
4 |
Betonung |
Betonen Sie ggf., worauf der Anwender achten muss, um die Handlung richtig auszuführen. |
|
5 |
Verbot |
Verbieten Sie ggf. Handlungen, zu denen Sie zwar nicht anleiten, die aber naheliegend sind und gefährlich werden können. |
|
6 |
Benennung von Art und Quelle der Gefahr |
Benennen Sie Art und Quelle der Gefahr, wenn dadurch die Notwendigkeit der richtigen Handlung deutlicher wird. |
|
7 |
Warnung vor Folgen bei Nichtbeachtung |
Warnen Sie vor den Folgen bei Nichtbeachtung, wenn dadurch die Notwendigkeit der richtigen Handlung deutlicher wird. |
Diese Stufen können Sie (als TR) nacheinander einsetzen:
· Es müssen nicht alle Stufen eingesetzt werden.
· Stellen Sie sicher, dass die Gesamtheit der Stufen so wirkt, dass der Anwender sicher handeln kann und dass er höchstwahrscheinlich sicher handeln wird.
Ein Anwender kann nur dann richtig handeln, wenn er dazu angeleitet wird. Die Anleitung zum richtigen Handeln ist immer erforderlich.
Geben Sie die Anleitung vorzugsweise in Form einer Handlungsanweisung, in der Schritt für Schritt zur richtigen Handlung aufgefordert wird.
Dabei muss gerade bei sicherheitsrelevanten Handlungen die Anweisung so klar und eindeutig formuliert sein, dass beim Anwender keine Fragen offen bleiben.
Manche Handlungen lassen sich durch Text nur schwer und nicht eindeutig beschreiben. In vielen Fällen kann dann ein Bild der Handlung oder der Bedienelemente die richtige Vorgehensweise verdeutlichen.
· Ein Bild sollte immer dann eingesetzt werden, wenn dadurch die richtige Ausführung klarer, eindeutiger und sicherer wird.
· Das Bild kann die unmittelbare Handlung zeigen (als Foto oder als Zeichnung). Meistens wird die Anwendungssituation aus der Anwendersicht gezeigt (über die Schulter fotografiert).
· Die Handlungsrichtung kann durch Pfeile o.ä. verdeutlicht werden.
· Statt der realen Handlung kann die Handlung auch schematisch dargestellt werden, wenn dadurch die Handlung klarer wird.
· Manchmal ist auch die Abbildung des Handlungsergebnisses hilfreich (z.B. die Fadenführung beim Einfädeln des Fadens an einer Nähmaschine).
Wenn bei einem Handlungsschritt aufgrund ungenauer oder nachlässiger Handlung eine Gefahr entsteht, muss die Handlungsanweisung präzisiert oder verstärkt werden.
Beispiele
· Stellen
Sie die Lautstärke ein.
Drehen Sie dabei nur vorsichtig in Richtung „Lauter“!
· Stellen
Sie die Lautstärke ein.
Achtung: Drehen Sie dabei nur vorsichtig
in Richtung „Lauter“!
(Anmerkung: Ein „Achtung“ erhöht die Aufmerksamkeit des Lesers.)
Möglicherweise übersieht der Anwender ein wichtiges Wort oder beachtet es nicht ausreichend, und handelt deshalb falsch.
· Das kann selbst dann geschehen, wenn Sie die Handlung richtig angeleitet haben.
· In diesem Fall müssen Sie die richtige Handlung noch einmal explizit betonen.
· Die Betonung der richtigen Handlung können Sie mit dem Wort „Achtung“ am Anfang zusätzlich hervorheben.
Beispiele
· Demontieren
Sie die Anlage wie folgt.
Halten Sie sich dabei unbedingt an die vorgegebene Reihenfolge!
· Stellen
Sie die Lautstärke ein.
Achtung: Nur wenn Sie die Lautstärke langsam
anheben, können Sie rechtzeitig aufhören und einen Gehörschaden vermeiden.
· Spritzen
Sie das Medikament intravenös.
Achtung: Es darf nur intravenös
gespritzt werden!
Stellen Sie das unbedingt sicher!
· Ölen
Sie die Kette.
Achten Sie dabei darauf, dass kein Öl auf die in der Nähe liegenden
Bremsscheiben gerät.
In manchen Fällen ist nicht die Handlung (zu der Sie anleiten) gefährlich, sondern es besteht die Gefahr, dass der Anwender etwas Naheliegendes tut, obwohl Sie nicht dazu angeleitet haben.
Solche (naheliegenden) Handlungen müssen Sie verbieten, wenn dadurch eine Gefahr entstehen kann.
Sie können das Verbot mit einem entsprechenden Signalwort
einleiten:
Warnung, Gefahr, Vorsicht (je nach Risikograd).
Begründen Sie ggf. das Verbot, damit der Anwender das Verbot
versteht oder besser abgrenzen kann, was noch erlaubt ist.
|
Beispiel |
Kommentar |
|
· Netzteil nicht öffnen! |
bei Wartungsarbeiten |
|
· Trommel nicht berühren! |
beim Öffnen des Kopierers (zur Beseitigung eines Papierstaus) |
|
· Einsteller nicht verstellen! |
bei einer Handlung in der Nähe eines Einstellpotentiometers |
|
· Klappe nicht schließen! |
|
|
· Klebestelle nicht berühren! |
Beim Kleben mit Schnellkleber |
|
· |
Bei Wartungsarbeiten an einer Sicherheitswerkbank im bakteriellen Einsatz. |
In vielen Fällen ist die richtige Anleitung ausreichend, und wir (TRs) können und müssen davon ausgehen, dass der Anwender gemäß der Anleitung handelt.
Sie können die Einsicht in die richtige Handlung dadurch verstärken, dass Sie dem Anwender den Grund für die Vorsicht nennen. Das kann entweder die Art und Quelle der Gefahr sein oder können die Folgen bei Nichtbeachtung der Anleitung sein.
Ob eine Nennung der Gefahr oder eine Warnung vor den Folgen tatsächlich notwendig ist, können Sie erst dann entscheiden, wenn Sie die Handlungsanweisung geschrieben und hinsichtlich der Sicherheit optimiert haben. Erst dann können Sie entscheiden, ob eine weitere Warnung sinnvoll ist.
Die folgenden Leitfragen sollen Ihnen bei der Entscheidung helfen
(Analysieren Sie dazu die bereits eskalierte Handlungsanweisung):
· Kann
der Anwender mit dieser Anleitung die Handlung sicher ausführen?
(Ist das nicht der Fall, müssen Sie die zuvor genannten Eskalationsschritte
noch einmal durchgehen).
· Hat er die ausreichende Einsicht, dass er die Handlung so wie angeleitet durchführen muss?
· Erkennt er selbst eine Gefahr aufgrund seines Allgemein- bzw. Fachwissens?
· Hat er genügend Einsicht in die Notwendigkeit und in die richtige Ausführung?
Falls erforderlich, können Sie die Handlungsanweisung ergänzen: Sie können die Art und Quelle oder auch die Folgen als Warnung formulieren.
Wichtig ist:
· der Anwender weiß, wie er richtig handeln muss;
· er hat die Einsicht, dass er sich an die angegebene Vorgehensweise halten muss;
· er kennt die Gefahren und ggf. die Folgen (aus eigener Einsicht oder weil sie in der Anleitung genannt sind).
Die folgenden Beispiele werden jeweils in Klammern näher erklärt:
· HA = Handlungsanweisung
· AQ = Art und Quelle
· F =
Folgen bei Nichtbeachtung
Benutzen Sie Handschuhe! (= HA)
Verbrennungsgefahr!
(= F)
Befestigen Sie das Regal an der Wand. (= HA)
Warnung:
Ansonsten kann das Regal umfallen und Personen verletzen. (= AQ+F)
Stellen Sie die Lautstärke ein. (= HA)
Warnung: Drehen Sie dabei nur vorsichtig in Richtung „Lauter“! (= HA)
Ansonsten
droht eine Schädigung des Gehörs. (= F)
Entnehmen Sie den Motor in Achsrichtung. (= HA)
Achtung: Berühren Sie dabei nicht die Seitenwände! (= HA)
Ansonsten
droht Verletzung durch Vibrationen. (= F+AQ)
Netzteil nicht öffnen! (= HA)
Warnung:
Stromschlaggefahr! (= F)
Trommel nicht berühren! (= HA)
Verbrennungsgefahr!
(= F)
Warnhinweise sollten gemäß DIN EN 82079-1 hervorgehoben werden. Sie sollten mit dem Warnzeichen beginnen. Außerdem sollten die Signalwörter GEFAHR, WARNUNG und VORSICHT (je nach Risikograd) verwendet werden.
Eine Anleitung ist nur dann verständlich, wenn erst die Anleitung und danach die Präzisierung, Betonung oder Warnung gegeben wird. Dann hat aber der Anwender möglicherweise bereits gehandelt, z.B.:
|
· Stellen Sie die Lautstärke ein. · Warnung: Drehen Sie dabei nur vorsichtig in Richtung „Lauter“! |
|
· Entnehmen Sie den Motor in Achsrichtung. · Achtung: Berühren Sie dabei nicht die Seitenwände! |
Umgekehrt ist die Anweisung schwer ‒ bis gar nicht ‒ verständlich:
|
· Warnung: Drehen Sie nur vorsichtig in Richtung „Lauter“! · Stellen Sie die Lautstärke ein. |
|
· Achtung: Berühren Sie beim folgenden Schritt nicht die Seitenwände! · Entnehmen Sie den Motor in Achsrichtung. |
Häufig wird die Warnung vor dem Handlungsschritt gefordert, was aber das Verständnis meist deutlich einschränkt. (Die Norm 82079-1 fordert das übrigens nicht.)
Meines Erachtens muss die Situation anders betrachtet werden:
Es muss sichergestellt werden, dass der Anwender einen Handlungsschritt erst dann ausführt, wenn er die vollständige Information aufgenommen hat (Handlungsaufforderung + Präzisierung + Warnung).
Das kann dadurch erreicht werden, dass der Handlungsschritt so gestaltet wird, dass er als Ganzes wahrgenommen und immer als Ganzes gelesen wird, bevor gehandelt wird (siehe die folgenden Ausführungen).
Bei der Umsetzung einer Handlungsanweisung muss der Benutzer den jeweiligen Handlungsschritt als Ganzes lesen und beachten. Wenn das sichergestellt ist, können die Anweisungen m.E. auch in der didaktisch richtigen Reihenfolge stehen.
In einer Handlungsanweisung ist es üblich, die einzelnen Handlungsschritte jeweils in Form eines Absatzes mit einem „Blickfangpunkt“ oder einer fortlaufenden Nummer zu formatieren. Aufgrund dieser Formatierung wird deutlich, was zu einem Handlungsschritt gehört.
Wenn aufgrund der Formatierung klar ist, was alles zu einem Handlungsschritt gehört, können wir (TRs) m.E. davon ausgehen, dass erst der gesamte Handlungsschritt gelesen wird, bevor der Anwender handelt. Dadurch ist sichergestellt, dass er auch die nachgestellte Präzisierung und ggf. den nachgestellten Grund (bzw. die Gefahr) gelesen hat.
Insgesamt plädiere ich dafür, den Handlungsschritt einschließlich der Präzisierung und ggf. der Nennung der Gefahr als einen Absatz darzustellen. Aus meiner Sicht ist das zulässig und sowohl informationstechnisch als auch didaktisch die beste Lösung.
Die folgenden Beispiele zeigen Formulierungen und Darstellungen, die m.E. richtig sind.
· Benutzen
Sie Handschuhe!
Ansonsten
droht Verbrennungsgefahr.
· Befestigen
Sie das Regal an der Wand.
Ansonsten
kann das Regal umfallen und Personen verletzen.
· Stellen
Sie die Lautstärke ein.
Warnung: Drehen Sie dabei nur vorsichtig in
Richtung „Lauter“!
Ansonsten droht eine Schädigung des Gehörs.
· Entnehmen
Sie den Motor in Achsrichtung.
Vorsicht: Berühren Sie dabei nicht die
Seitenwände!
Ansonsten drohen Verletzungen durch Vibrationen.
· Netzteil
nicht öffnen!
Stromschlaggefahr
Für die Benutzung der meisten Geräte und Maschinen muss der Anwender die notwendigen Grundlagen und die einzelnen Handlungen erlernen (allgemein betrachtet).
· Gewisse Dinge muss er (dauerhaft) wissen (z.B. Aufbau und Funktion).
· Die Handlungen setzen zumeist diese Grundkenntnisse voraus (z.B. Bedienelemente, Geräteteile, Wirkmechanismen).
· Die Handlungen werden dann (bei Kenntnis der Grundlagen) Schritt für Schritt erlernt, wobei der Anwender häufig ‒ mit der Anleitung in der Hand ‒ Schritt für Schritt arbeitet (zumindest am Anfang).
Eine weitere wichtige Grundlage ist das Wissen um die relevanten Gefahren, z.B.:
· Das Gerät arbeitet mit Strom. Strom ist gefährlich.
· Die Maschine bewegt Teile. Bewegte Teile können gefährlich sein.
· Das Produkt ist giftig. Berührung oder Verzehr können gefährlich sein.
Das Kapitel „Sicherheit“ soll dazu dienen, beim Anwender das Sicherheitsverständnis für das beschriebene Produkt herzustellen.
Wir (Menschen) sind es gewohnt, selbständig zu handeln und dabei auf unsere Sicherheit zu achten, denn wir haben gelernt, die Gefahren, die uns umgeben, zu beachten und zu „umschiffen“.
Dabei nützen uns
· das Wissen um die Gefahr (ohne ängstlich zu sein),
· die bewusste und unbewusste Umsicht in gefährlichen Situationen,
· das Wissen um das richtige Tun und das Wissen um das Nicht-tun-dürfen
· sowie eingeübte Verhaltensregeln.
|
Gegenstand |
Sicherheitsbewusstsein |
|
Straße überqueren |
Wir wissen, dass eine Kollision mit einem Pkw tödlich enden kann. Wir folgen (bei Rechtsverkehr) einer eingeübten Verhaltensregel: „Erst links schauen, dann rechts ...“ |
|
Strom |
Wir wissen: „Spannung ist gefährlich“. Wir vertrauen isolierten Geräten, Kabeln usw. Wir achten auf defekte Kabel, wir berühren keine metallischen Teile, die Strom führen könnten. |
|
Messer |
Wir wissen, dass man sich an der Schneide verletzen kann, wir haben erfahren, dass man sie nicht anfassen darf. Wir vermeiden gefährliche Handlungen, z.B. Brot in Richtung „auf sich zu“ zu schneiden. Wir sorgen (gewohnheitsmäßig, eingeübte Verhaltensregel) für eine sichere Anwendungssituation, z.B. Schneiden auf einem Brett. |
|
Abgrund |
Wir wissen, dass wir uns beim Hinunterfallen verletzen können. Wir halten einen Sicherheitsabstand zur Absturzkante. Wir verhalten uns kontrollierter, um nicht aus Versehen in die Nähe der Absturzkante zu gelangen. |
Zum Sicherheitsverständnis gehören also:
· Wissen um die Gefahr,
· Wissen und eingeübtes Verhalten zur Vermeidung der Gefahr:
§ Abstand halten (oder ähnlich),
§ aufmerksam sein,
§ bewusst handeln,
§ feste Regeln einhalten.
Normalerweise sollten wir (Menschen) die Einsicht haben, dass strikte Regeln sinnvoll sind, auch wenn sie manchmal übertrieben vorsichtig klingen („das passiert doch nie“).
Diese Einsicht ist leider nicht immer vorhanden, setzt sich aber im professionellen Bereich immer mehr durch (z.B. Tragen von Sicherheitsschuhen, sich nie unter schwebenden Lasten aufhalten, Strom abschalten und gegen Wiedereinschalten sichern ...).
Als Autoren von Anleitungen können/sollten/müssten wir dazu beitragen, solche Regeln zu formulieren, zu verwenden (in unseren Anleitungen) und sie letztlich zum Allgemeinwissen werden zu lassen.
Eine Anleitung, die ein Sicherheitsverständnis aufbauen will (nur bezogen auf das aktuelle Gerät), muss also die folgenden Aspekte berücksichtigen:
· das Wissen um die Gefahr vermitteln, bzw. an sie erinnern oder die Gefährlichkeit betonen;
· das Wissen zur Vermeidung der Gefahr vermitteln:
§ zum richtig Handeln anleiten (im Kapitel „Sicherheit“ nur allgemein),
§ falsche Handlungen verbieten,
§ zum Abstandhalten auffordern (oder ähnlich),
§ aufmerksames und bewusstes Handeln einfordern,
§ feste Regeln vermitteln und deren Einhaltung einfordern.
Dabei geht es im Kapitel „Sicherheit“ immer nur um allgemeine Gefahren und Verhaltensregeln und nicht um die Gefahren, die in einem einzelnen Handlungsschritt auftreten.
Ein Sicherheitsverständnis ist nur dann gegeben, wenn der
Anwender nach dem Lesen die notwendigen Informationen (dauerhaft) kennt und (dauerhaft)
eine Einsicht in ihre Notwendigkeit hat.
Das Kapitel muss sich also an den Kriterien für eine Lernanleitung orientieren
(siehe Juhl 1). Meines Erachtens sind insbesondere die folgenden Kriterien
wichtig:
· Das Kapitel sollte so formuliert werden, dass es als Fließtext gelesen, verstanden und im Gedächtnis behalten werden kann. Aufzählungen (z.B. Punktaufzählungen) sind zwar möglich, sie müssen aber geordnet und erinnerbar sein.
· Das Kriterium „Gliederung/Ordnung“ muss besonders gut erfüllt werden, weil geordnete Informationen leichter verstanden und im Gedächtnis behalten werden können.
· Zwischenüberschriften erleichtern das Lesen der Sinneinheiten und vor allem den rekapitulativen Rückblick, der das Lernen und das Behalten unterstützt.
· Die Motivation zum Lesen und Beherzigen ist sinnvoll.
Die DIN EN 82079-1 fordert am Anfang einer Anleitung einen Abschnitt oder ein eigenes Kapitel mit Sicherheitshinweisen (wenn anwendbar).
Ein solches Kapitel „Sicherheit“ kann enthalten*:
Bestimmungsgemäßer Gebrauch
· Beschreibung des bestimmungsgemäßen Gebrauchs
· Grenzen der Anwendung
· Warnhinweise bezüglich einer vernünftigerweise vorhersehbaren Fehlanwendung
Zielgruppe
· Beschreibung der Nutzer
· Einschränkung des Nutzerkreises
· Gefahren für bestimmte Personengruppen
Gefahren
· allgemeine Gefahren
· Schutzmaßnahmen, die der Nutzer treffen muss
· Warnhinweise bezüglich der Gefährdungen
· mögliche gesundheitliche Schäden bei Nichtbeachtung
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
· Beschränkungen und/oder Empfehlungen für die sichere Anwendung
· Hinweis auf die Notwendigkeit, den Zugang für Kinder oder den Kontakt mit Haustieren ... zu verhindern.
· Anhaltspunkte, wann Produkte nicht mehr sicher zu nutzen sind.
Erklärung der Symbole
· Erklärung der grafischen Symbole für sicherheitsbezogene Informationen
Anmerkung: Häufig werden in Anleitungen auch andere Symbole
und Schreibweisen erklärt. Dann ist es sinnvoll, all solche Erklärungen in
einem gesonderten Kapitel (z.B. „Anleitung zur Anleitung“) zu beschreiben.
* zusammengestellt,
sinngemäß geordnet und gekürzt nach
DIN EN 82079-1, Kap. 5.5.1
Ein Sicherheitshinweis sollte immer so aufgebaut sein, dass ihn der Anwender verstehen kann. Beispielsweise können die Grundlagen genannt werden, um ein Verständnis für die Gefahren aufzubauen.
Die folgende Struktur soll als ein Leitfaden dazu dienen:
· Nennung der Grundlagen (z.B.: Das Gerät arbeitet mit einem Laser);
· Nennung der normalen Ungefährlichkeit (z.B.: Normalerweise kommen Sie mit dem Laser nicht in Kontakt);
· Nennung der Situationen, in denen „es gefährlich werden könnte“ (z.B.: Bei Wartungsarbeiten könnte der Laserstrahl sichtbar sein);
· Nennung von Vorsichtsmaßnahmen in diesen Situationen (z.B.: Nicht in den Laserstrahl hineinschauen, nur mit Schutzbrille arbeiten).
Ein didaktisch aufgebauter Sicherheitshinweis kann besser verstanden und im Gedächtnis behalten werden als ein Sicherheitshinweis, der eine Gefahr einfach nur in den Raum stellt.
Anwender erwarten heute (zu Recht), dass das Produkt ein hohes Maß an technischer Sicherheit bietet.
· Richtig ist es deswegen, sie an diesem Punkt abzuholen: Dies ist ein sicheres Produkt!
· Ihnen ist aber auch aufzuzeigen, wo die Sicherheit aufhört und
· an welchen Stellen sie selber dazu beitragen müssen, damit das Produkt sicher bleibt.
Hinweis: Die Beispiele sollen das Prinzip von didaktisch aufgebauten Sicherheitshinweisen verdeutlichen. Sie erheben keinen Anspruch auf sachliche Richtigkeit und Vollständigkeit.
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Allgemeine Sicherheit Die Sicherheitswerkbank ermöglicht Ihnen die Arbeit mit einem giftigen oder kontaminierten Material. Das Umluftsystem ist streng getrennt von der Außenwelt, sodass Sie im Normalbetrieb vor den Schadstoffen geschützt sind. Das Umluftsystem ist innen kontaminiert. Das Umluftsystem
darf deshalb nicht geöffnet werden. |
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Das Beispiel zeigt einen didaktisch aufgebauten Sicherheitshinweis. Ausgehend vom Normalbetrieb und von der normalen Ungefährlichkeit, wird die gefährliche Situation dargestellt und ein Verbot ausgesprochen. Der Warnhinweis fasst alles noch einmal kompakt zusammen. |
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Allgemeine Sicherheit Die Tischkreissäge ist bei Normalbenutzung und Beachtung der Sicherheitsregeln gefahrlos zu benutzen. Trotzdem geht vom sich drehenden Sägeblatt immer eine potenzielle Gefahr aus. Seien Sie bei der Benutzung der Tischkreissäge immer aufmerksam! Sicherheitsregeln: · Die Tischkreissäge muss sicher aufgestellt werden, sodass sie nicht wackelt oder sich verschiebt. · Alle Schutzeinrichtungen müssen montiert sein und einwandfrei funktionieren. · Verschieben Sie das Sägegut nur auf der Platte. · Halten Sie mit Ihren Fingern immer einen ausreichenden Sicherheitsabstand vom Sägeblatt. · Bei
kleinem Sägegut besteht die Gefahr, durch Abrutschen oder Brechen des
Sägeguts in den Schnittbereich des Sägeblatts zu gelangen.
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Der Sicherheitshinweis greift das normale Verständnis auf und betont die Notwendigkeit der Sicherheitsregeln. Der letzte Punkt benennt eine Gefahr deutlich und fordert ein bestimmtes Verhalten. Der Warnhinweis fasst alles noch einmal zusammen. |
Wahrscheinlich werden viele Autoren Bedenken haben, eine Positivaussage („… ist gefahrlos zu benutzen“) zu verwenden. Meines Erachtens ist aber die Positivaussage wichtig, weil sie leicht zu merken ist und zur Abgrenzung von gefährlichen Situationen dient.
· sichere Normalnutzung, ggf. Bedingungen dafür;
· gefährliche Situationen (wo beginnt die Gefahr?) und Maßnahmen, damit die Gefahr nicht eintritt.
Außerdem wird der Anwender mit der Positivaussage besser auf seinem Wissensstand abgeholt.
Im Kapitel „Sicherheit“ können Warnungen vor allgemeinen Gefahren oder vor Gefahrenpunkten gegeben werden.
Strukturierung der Warnhinweise
Meiner Ansicht nach muss der Warnhinweis nicht gemäß SAFE strukturiert werden, er kann sich jedoch an den Elementen von SAFE orientieren und didaktisch wirksam sein:
· Kenntnis der Gefahr (Art und Quelle und/oder Folgen bei Nichtbeachtung),
· Vermeidung der Gefahr.
Darstellung des Warnhinweises
Der Warnhinweis muss nicht als Kasten formatiert werden.
Warnzeichen und Signalwort müssen beide verwendet werden.
Gefahr für Personen mit Herzschrittmacher
WARNUNG
Starke Magnetfelder
Beeinflussung von Herzschrittmachern
Das Gerät darf nicht von Personen mit Herzschrittmachern bedient werden.
Besondere Gefahren
GEFAHR
Das sich drehende Schnittmesser birgt bei Berührung ein sehr hohes
Verletzungsrisiko.
Gerät nicht öffnen
GEFAHR
Sehr hohe Spannung im Innern (1000 V)
Stromschlag-Gefahr
Das Gerät darf nicht geöffnet werden!
Als TR haben wir es (leider) nicht in der Hand, dass die Anleitung auch tatsächlich gelesen und beachtet wird. In gewissem Maße können wir aber dazu beitragen:
· Kapitel attraktiv gestalten (vor allem nicht unattraktiv oder schwer lesbar gestalten!):
§ lesefreundlich,
§ ansprechend gestaltet.
· Motivieren:
§ „Das Gerät kann nur dann sinnvoll und sicher benutzt werden, wenn Sie ... kennen und beachten.“
· Vorschreiben, zum Lesen der Anleitung verpflichten, z.B.:
§ Leseaufforderung auf dem Titelblatt, z.B. „Anleitung vor Gebrauch vollständig lesen!“
§ Einleitender Satz im
Kapitel „Sicherheit“:
„Die Hinweise im Kapitel ‚Sicherheit’ müssen beim Umgang und bei der Bedienung
des Geräts immer beachtet werden. Lesen Sie das Kapitel aufmerksam durch und prüfen
Sie, ob Sie alle Sicherheitshinweise verstanden haben. Falls nicht, bedienen Sie
das Gerät nicht!“
§ Das Verpflichten zum Lesen des Kapitels „Sicherheit“ ist sinnvoll.
· Drohen:
§ „Bei Nichtbeachtung erlischt die Garantie, ... keine Haftung des Herstellers ...“
§ Solche Drohungen können sinnvoll sein, um den Anwender zum Lesen und Beachten der Anleitung zu verpflichten. Ob sie auch juristisch wirksam sind, kann ich nicht beurteilen.
Eine Aufteilung der sicherheitsbezogenen Informationen auf das Kapitel „Sicherheit“ und auf die Warnhinweise ist nur dann sinnvoll, wenn im weiteren Verlauf der Anleitung das Lesen, Verstehen, Behalten und Beherzigen des Kapitels „Sicherheit“ vorausgesetzt werden kann:
· Das Kapitel „Sicherheit“ muss am Anfang der Anleitung stehen.
· Es ist sinnvoll, den Benutzer zum Lesen des Kapitels „Sicherheit“ zu verpflichten.
· Auch aus sachlichen Erwägungen kann ein Gerät oder eine Maschine nur dann sinnvoll bedient werden, wenn der Anwender die Aussagen im Kapitel „Sicherheit“ kennt und ständig beachtet.
Als TR können wir somit voraussetzen, dass der Anwender das Kapitel „Sicherheit“ gelesen hat. Das bedeutet, dass wir die in diesem Kapitel angegebenen sicherheitsbezogenen Informationen im späteren Verlauf der Anleitung nicht wiederholen müssen.
Erinnerung im Zusammenhang
Wenn Sie wichtige Sicherheitshinweise im Kapitel
„Sicherheit“ untergebracht haben und davon ausgehen müssen, dass Quereinsteiger
das Kapitel „Sicherheit“ nicht gelesen haben oder nicht mehr im Kopf haben,
können Sie am Anfang einer gefährlichen Handlung nochmal an das Kapitel
„Sicherheit“ erinnern.
Das ist m.E. aber nur im Ausnahmefall sinnvoll.
Eine solche Erinnerung könnte z.B. folgendermaßen formuliert sein:
· Stellen Sie sicher, dass Sie das Kapitel „Sicherheit“ gelesen und im Kopf haben.
· Haben Sie schon das Kapitel „Sicherheit“ am Anfang dieser Anleitung gelesen? Sie sollten das unbedingt tun, bevor Sie mit der Maschine arbeiten.
Im Fall von Lizenzbedingungen ist es üblich, dem Käufer vor der Benutzung eine Bestätigung der Nutzungsbedingungen abzunötigen. Dass dadurch die Nutzungsbedingungen tatsächlich gelesen und akzeptiert werden, ist m.E. zwar unrealistisch, ist für die Juristen aber offensichtlich ausreichend, um die Nutzungsbedingungen als bekannt vorauszusetzen.
Sollte man nicht mit dem Kapitel „Sicherheit“ ebenso verfahren?
· Beispielsweise könnte man vom Anwender verlangen, die Kenntnisnahme des Kapitels „Sicherheit“ auf einer Internetseite zu bestätigen (z.B. mit Namen und Email-Adresse).
· Dem Anwender könnte als Bestätigung ein Zertifikat geschickt werden, das er ausdrucken kann (mit Namen, Email-Adresse, Datum und Uhrzeit).
· Der Hersteller würde diese Daten in einem Logbuch speichern.
· Bei Regress-Ansprüchen müsste der Geschädigte das Zertifikat vorlegen und der Hersteller könnte prüfen, ob die Benutzerdaten im Logbuch vorliegen.
Ein Warnhinweis sollte immer dann eingesetzt werden, wenn eine Handlung potenziell gefährlich ist oder wenn das erreichte Handlungsergebnis aufgrund falscher Handlungen gefährlich sein kann.
Dabei müssen Sie als Autor immer abschätzen, ob die „richtige Anleitung“ ausreicht, ob sie durch Zusätze (Präzisierung, Betonung ...) sicherer gemacht werden muss oder ob ein Warnhinweis erforderlich ist, um zur sicheren Verwendung anzuleiten.
Warnhinweise sollen laut DIN EN 82079-1 in dem Zusammenhang genannt werden, in dem die Gefahr auftritt.
Das Kapitel „Sicherheit“ muss vorausgesetzt werden!
Ein Warnhinweis ist nur dann erforderlich, wenn für den Anwender ‒ bei Kenntnis und Beachtung des Kapitels „Sicherheit“ ‒ immer noch Gefahren bestehen.
· Die Kenntnis des Kapitels „Sicherheit“ muss vorausgesetzt werden.
· Auch wenn ein Anwender per Querlesen zu einer bestimmten Handlungsanweisung gelangt ist, muss trotzdem vorausgesetzt werden, dass er (irgendwann zuvor) das Kapitel „Sicherheit“ gelesen hat und dessen Inhalt noch im Kopf hat.
Die Anleitung zur „richtigen Handlung“ ist Voraussetzung
Ein Warnhinweis kann nur dann sinnvoll sein, wenn zuvor (in Ausnahmefällen danach) zur richtigen Handlung angeleitet wurde. Dazu gehört auch, dass die „richtige Handlung“ durch Präzisierung, Betonung usw. verständlich gemacht wurde.
Viele Warnhinweise können als Handlungsaufforderungen formuliert werden:
· Der Benutzer wird zu einer bestimmten Handlung aufgefordert, z.B.: stromlos schalten, gegen Wiedereinschalten sichern;
· Eine Warnung ist m.E. nicht erforderlich;
· Meines Erachtens müssen wir als TRs davon ausgehen, dass der Anwender den Handlungsschritt entsprechend der Anleitung ausführt.
§ Wenn er das nicht tut, ist das fahrlässig und
§ wenn er die Gefahr kennt und trotzdem falsch handelt, ist das sogar grob fahrlässig.
Ich ziehe die Handlungsaufforderung vor, weil sie sich besser in die Reihe (der anderen) Handlungsschritte einfügt, die Botschaft positiv formuliert und einfach umgesetzt werden kann.
Die Warnung vor vielen Gefahren wird m.E. bereits durch das Kapitel „Sicherheit“ und durch die Anleitung zum richtigen Handeln abgedeckt.
Gewarnt werden muss nur noch in folgenden Fällen:
1. wenn die Anleitung zum richtigen Handeln nicht ausreicht,
2. wenn die Gefahr (Art und Quelle) nicht erkannt werden kann,
3. wenn die Notwendigkeit des richtigen Handelns erfahrungsgemäß unterschätzt wird und
4. wenn die Folgen bei Nichtbeachtung unterschätzt werden.
Ein Medikament muss unbedingt intravenös gespritzt werden. Wird es versehentlich anders injiziert, kann das zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
· Die richtige Anleitung reicht nicht aus, weil erst die Nennung der Gefahr die Wichtigkeit deutlich macht und den Benutzer dazu verpflichtet, besonders aufmerksam zu handeln.
Beim Auseinandernehmen eines Bauteils kann eine Feder herausspringen und zu Verletzungen ‒ bis hin zum Verlust des Augenlichts ‒ führen.
· Die richtige Anleitung, ein Spezialwerkzeug zu benutzen, reicht nicht aus.
· Die Gefahr ist nicht erkennbar. Erst der Warnhinweis macht deutlich, wie wichtig die korrekte Befolgung der Anleitung ist.
Ein Regal muss an der Wand befestigt werden.
· Viele Selbstaufbau-Kunden werden die Notwendigkeit dieser Anweisung unterschätzen.
· Erst ein Warnhinweis mit der Schilderung der möglichen Folgen macht die Gefahr deutlich.
Eine Chemikalie führt schon nach kurzzeitigem Einatmen zu Verätzungen der Atemwege.
· Die richtige Anleitung, mit der Chemikalie nur in gut durchlüfteten Räumen zu hantieren, reicht nicht aus.
· Der Anwender kann eventuell die Gefahr unterschätzen und zu Schaden kommen.
Ein Warnhinweis kann ‒ wie im Abschnitt „Handlungsanweisung mit Eskalation“ gezeigt wurde ‒ in den betreffenden Handlungsschritt integriert werden (als letzte Eskalationsstufe).
Eine Ausführung des Warnhinweises gemäß SAFE, ein Voranstellen vor den Handlungsschritt und eine Formatierung als Kasten sind nicht vorgeschrieben!
Um der DIN EN 82079-1 zu genügen, muss der Warnhinweis auffällig sein. Das wird vor allem durch die Verwendung des Warnzeichens erreicht.
Außerdem müssen die folgenden Signalwörter in der vorgegebenen Bedeutung verwendet werden (siehe DIN EN 82079-1, Abs. 6.8.6):
· Gefahr
· Warnung
· Vorsicht
Die Handlungsanweisung muss als Ganzes sicher sein
Meines Erachtens sollten Sie (als TR) vor allem sicherstellen, dass jeder Handlungsschritt als Ganzes wahrgenommen und verstanden wird und dass er vom Anwender sicher umgesetzt werden kann.
· Das erste Ziel erreichen Sie z.B. durch eine spezielle Formatierung, die dazu führt, dass der Handlungsschritt als eine Einheit wahrgenommen wird (gemäß dem Gestaltungsprinzip: „Gesetz der Nähe“).
· Das
zweite Ziel erreichen Sie vor allem durch treffende Formulierungen und durch
eine didaktisch richtige Reihenfolge.
Wenn Sie zu der Überzeugung gelangen, dass ein integrierter Warnhinweis nicht ausreicht, können Sie den Warnhinweis auch gemäß SAFE strukturieren und ihn dem Handlungsschritt voranstellen.
Warnhinweise können gemäß der SAFE-Methode formuliert werden:
§ Signalwort
§ Art und Quelle der Gefahr
§ Folge(n)
§ Entkommen
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Struktur: Sicherheitshinweise gemäß der SAFE-Methode |
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Beispiel |
Anmerkung |
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Aufmerksam |
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ggf. zusätzlich andere Piktogramme verwenden, z.B. gemäß DIN EN ISO 7010 |
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Signalwort |
GEFAHR |
entsprechend dem Gefährdungsgrad, in Großbuchstaben, ohne Ausrufezeichen und in serifenloser Schrift |
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Art und Quelle der Gefahr |
heiße Geräteteile |
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mögliche Folgen |
Verbrennungsgefahr |
nichts beschönigen! nichts verharmlosen! |
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Entkommen: Maßnahmen zur Abwendung der Gefahr |
Nicht berühren! |
kann entfallen, wenn die Möglichkeiten zur Vermeidung der Gefahr bekannt sind |
Sicherheits- und Warnhinweise müssen hervorgehoben werden.
Die Norm fordert:
· Warnzeichen (mindestens so groß wie der Fließtext [Versalhöhe]);
· Signalwort (in Großbuchstaben);
· Hervorhebung
des Warnhinweises („wird genauso hervorgehoben wie andere Instruktionen in den Dokumenten,
die mit dem Produkt ausgegeben sind.“).
M.E. genügt die Gestaltung als Fließtextschrift, da der Warnhinweis ja bereits durch
das Warnzeichen und das Signalwort ausreichend hervorgehoben ist.
Die DIN EN 82079-1 fordert das Warndreieck und das Signalwort (Abs. 6.8.6):
GEFAHR
Dabei muss das Piktogramm links stehen und mindestens die Schriftgröße (Versalhöhe) haben.
In der DIN EN 82079-1 steht im Abschnitt 6.8.3: „Warnhinweise müssen konsistent gestaltet werden ...“. Was ist damit gemeint?
· Aus meiner Sicht ist es nicht empfehlenswert, alle Warnhinweise gemäß SAFE zu strukturieren und zu gestalten.
· Auch eine andere konsistente Strukturierung halte ich nicht für sinnvoll, weil ‒ je nach Fall ‒ die sinnvolle didaktische Abfolge anders sein kann.
· Aus meiner Sicht sollten Warnhinweise mit dem Warnzeichen und dem Signalwort (in fetter Schrift und in Großbuchstaben) beginnen und ansonsten wie der Fließtext gestaltet sein.
Der Warnhinweis sollte so gestaltet werden, dass er als eine Einheit wahrgenommen wird. Das können Sie durch die folgende Gestaltung erreichen:
· Rahmen um den Warnhinweis (nicht zu dick, nicht zu schwarz);
· Unterlegung (ohne dadurch die Lesbarkeit zu behindern);
· seitliche Linie;
· Einrückung;
· Abstand nach vorn und Abstand nach hinten (so dass gemäß dem Prinzip der Geschlossenheit der Warnhinweis als Ganzes wahrgenommen wird);
· Linie davor und Linie dahinter (nicht zu dick und nicht zu schwarz).
Oder Sie wählen eine Kombination aus diesen Möglichkeiten.
Meiner Meinung nach sollte der Warnhinweis aber ähnlich wie der Fließtext gestaltet werden.
Die in letzter Zeit übliche Formatierung eines Warnhinweises in Form eines Kastens halte ich für höchst problematisch. Ich würde sie nicht empfehlen.
Diese Formatierung wird auch in keiner Norm oder Richtlinie vorgeschrieben (nicht in der DIN EN 82079-1 und auch nicht in der ANSI Z535.6.
Ein großer Kasten mit großem Abstand nach innen und außen unterbricht den Lesefluss.
Insbesondere dann, wenn viele Warnhinweise in Form eines Kastens formatiert werden, kann das zum selektiven Lesen und damit zum Überspringen der Warnhinweise verleiten (also genau zum Gegenteil des Beabsichtigten bewirken).
In einem Usability-Test wurde beim Lesen einer Anleitung ein systematisches Überspringen der Warnhinweise festgestellt: Der Proband hat seine Gewohnheit, Werbungen konsequent zu überlesen, unbewusst auf die Anleitung übertragen (in Zeitungen werden Werbungen häufig in Form eines Kastens eingeschoben) (Quelle: Schmeling).
Erst das richtige Zusammenspiel der folgenden drei Komponenten führt zu Anleitungen, die gut lesbar sind, die verstanden werden können und die dem Anwender ein sicheres Handeln ermöglichen.
· Kapitel
„Sicherheit“:
Das Kapitel „Sicherheit“ baut ein Sicherheitsverständnis auf, zeigt allgemeine
Gefahren und deren Vermeidung auf.
Das Lesen des Kapitels „Sicherheit“ muss vorgeschrieben werden und dessen
Kenntnis muss im Folgenden als bekannt vorausgesetzt werden.
· Richtig
anleiten:
Nur eine richtige Anleitung kann vom Anwender in sichere Handlungen umgesetzt
werden. Die Handlungsanweisung kann durch Präzisierung, Betonung usw. verstärkt
werden.
· Warnhinweise:
Das Aufzeigen der Gefahr und/oder der möglichen Folgen betont zusätzlich die
Wichtigkeit der korrekten Handlungsausführung.
Vor der Abfassung einer Anleitung ‒ insbesondere wenn das Gerät über Restrisiken verfügt ‒ sollten Sie zunächst ein Konzept erstellen, wie Sie vor Gefahren warnen wollen.
Eine wichtige Voraussetzung für das Schreiben einer sicheren Anleitung ist Ihre Einstellung (als TR), z.B.:
· Ich will, dass der Anwender sicher handeln kann.
· Ich will ein Handbuch abliefern, durch das der Benutzer die Grundlagen und die Handlungen erlernen kann, um alle Handlungen sicher ausführen zu können.
· Eventuelle Gefahren will ich nicht verschweigen, verstecken oder verharmlosen.
· Ich weiß, dass ich Gefahren gegebenenfalls auch in drastischer Form deutlich machen muss.
Aber auch Ihr Arbeitgeber ‒ bzw. der Hersteller ‒ muss die richtige Grundeinstellung zu dieser Aufgabe haben.
· Diskutieren
Sie ggf. mit Kollegen und Vorgesetzten über die Einstellungen der Firma zur
Sicherheitsproblematik.
Ein Sicherheitskonzept kann nur dann sinnvoll erstellt werden, wenn die Zielgruppe bekannt ist.
· Wenn Ihr Gerät für die Zielgruppe „Jedermann“ bestimmt ist, können Sie auf eine Zielgruppen-Analyse verzichten, sollten aber trotzdem schriftlich festhalten, welche Eigenschaften Sie der Zielgruppe zuordnen. Das dürfen natürlich nur solche Eigenschaften sein, die man in realistischer Weise von der Zielgruppe erwarten kann.
· Wenn Ihr Gerät für eine spezifische Gruppe bestimmt ist, sollten Sie die Zielgruppe entweder anhand von Erfahrungswerten einschätzen oder sie einer Analyse unterziehen. Formulieren Sie auch hier die Eigenschaften der Zielgruppe, vor allem im Hinblick auf das vorhandene Wissen, die Erfahrungen und das Risikobewusstsein.
Für fast jedes Gerät muss entwicklungsbegleitend eine Risikobeurteilung erfolgen. Diese Risikobeurteilung muss Ihnen vorliegen. Der Risikobeurteilung können Sie die Restrisiken entnehmen, vor denen in der Anleitung gewarnt werden muss.
Klassifizieren Sie die Restrisiken
Durch die Klassifizierung der Restrisiken erhalten Sie Hinweise auf den Ort, an dem sie sinnvollerweise genannt werden sollten:
· Gefahrenpunkt
(Warnhinweis im Kapitel „Sicherheit“);
· Gefahr
beim Handeln
(„richtig“ anleiten, ggf. eskalieren, ggf. warnen);
· Gefahr
durch ein falsches Handlungsergebnis
(„richtig“ anleiten, ggf. eskalieren, ggf. warnen, ggf. Prüfmöglichkeit
anbieten).
Verteilen Sie die sicherheitsbezogenen Informationen auf die folgenden Bereiche:
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Kapitel „Sicherheit“ |
Aufbau eines Sicherheitsbewusstseins; |
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richtig anleiten |
Fangen Sie die Restrisiken vorzugsweise durch eine konkrete Handlungsanweisung (zunächst ohne Warnhinweis) ab: Gefahr beim Handeln Gefahr durch falsches
Handlungsergebnis |
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Eskalation |
Eskalieren Sie die „gefährlichen“ Handlungsschritte ggf. durch: · Präzisierung, · Betonung, worauf zu achten ist, · Verbot von naheliegenden Fehl-Handlungen. |
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Warnhinweis |
Nennen Sie ggf. den Grund für die Vorsicht: · Art und Quelle der Gefahr, · Folgen. |
|
Warnhinweis |
Falls die eskalierte Handlungs-Anweisung nicht genügt, müssen Sie vor den Handlungsschritt einen Warnhinweis stellen. In diesem Fall ist eine Strukturierung nach SAFE sinnvoll. |
Im Konzept können Sie festlegen, wie Sie das Sicherheitsbewusstsein aufbauen wollen:
· Stellen Sie das Kapitel „Sicherheit“ an den Anfang der Anleitung.
· Benennen Sie das Kapitel in deutlicher Weise:
§ „Sicherheit“,
§ „Allgemeine Sicherheitsregeln“ oder
§ in ähnlicher Weise.
· Verpflichten Sie den Anwender zum Lesen des Kapitels:
§ verpflichten Sie zum Lesen („Dieses Kapitel muss gelesen und beachtet werden!“),
§ heben Sie den Hinweis hervor,
§ motivieren Sie ggf. zum Lesen („Hier finden Sie wichtige Hinweise zu Ihrer Sicherheit beim Bedienen und Arbeiten mit dem Gerät bzw. mit der Maschine“).
· Verfassen Sie das Kapitel so, dass es gelesen werden kann (statt in Form einer ungeordneten Aufzählung, die nur auswendig gelernt werden kann).
· Sprechen Sie Ihre Leser persönlich an (persönliche Anrede).
· Bauen Sie die Sicherheitshinweise didaktisch auf.
· Benutzen Sie im Kapitel „Sicherheit“ nur in Ausnahmefällen Warnhinweise.
· Gestalten Sie die Warnhinweise gut lesbar (Einbettung in den Fließtext, vorangestellte, didaktische Herleitung).
Sie sollten sich ein Konzept erstellen, wie Sie zum sicheren Handeln anleiten wollen:
· Identifizieren Sie die „schwierigen“ Stellen (Gefahren aus der Handlung oder aus einem falschen Handlungsergebnis).
· Stellen Sie einen Plan auf, wie Sie dem Anwender das richtige Handeln vermitteln wollen.
· Der Plan kann auch darin bestehen, beim Anwender bestimmte Schulungen, ein konkretes Fachwissen oder spezielle Erfahrungen vorauszusetzen (das müsste dann als Forderung im Kapitel „Sicherheit“ stehen).
· Analysieren Sie, ob die richtige Anleitung bereits ausreicht bzw. in welchen Stufen Sie weiter eskalieren müssen.
· Wenn Sie eine bestimmte Warnung mehrfach aussprechen müssen, können Sie überlegen, ob stattdessen eine Warnung im Kapitel „Sicherheit“ genügt.
Im Normalfall werden schon mit dem Kapitel „Sicherheit“ und mit der „richtigen“ Anleitung viele Gefahren abgefangen.
· Prüfen Sie, vor welchen Restrisiken in den Handlungen Sie noch warnen müssen. Unterscheiden Sie dabei:
§ Gefahr beim Handeln,
§ Gefahr aus einem fehlerhaften Handlungsergebnis.
· Den Ausgangspunkt bilden Ihre bereits formulierten eskalierten Handlungsanweisungen. Überprüfen Sie, ob die bisherige Anleitung (ohne Warnhinweis) ausreicht oder ob zur Verdeutlichung ein Warnhinweis erforderlich ist.
· Legen Sie die Gestaltung für die Elemente „Betonung“, „Verbot“ und „Warnung“ fest:
§ Ich würde alle diese Elemente wie den Fließtext gestalten, so dass die gesamte Anweisung flüssig gelesen werden kann.
§ Eine Betonung können Sie z.B. mit dem Wort „Achtung“ einleiten.
§ Auch ein Verbot können Sie mit dem Wort „Achtung“ einleiten.
§ Eine Warnung sollte mit dem Warnsymbol und einem Signalwort beginnen (GEFAHR, WARNUNG, VORSICHT).
|
· Führen
Sie ... aus. |
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Beispiel für die Gestaltung von Betonung, Verbot und Warnhinweis. |
· Legen Sie ggf. ein Konzept fest, dass Sie häufig wiederholte Warnhinweise einmal im Kapitel „Sicherheit“ geben und im weiteren Verlauf voraussetzen.
· Legen Sie auch fest, wie an diese Warnhinweise im Zusammenhang erinnert wird.
Viele Anleitungen sind mit einem umfangreichen Kapitel „Sicherheit“ und vielen großen und plakativen Warnhinweisen vermeintlich rechtssicher gemacht. In Wirklichkeit ist diese Praxis aber geradezu gefährlich!
In diesem Kapitel möchte ich Ihnen zeigen, warum die großen, plakativen Warnhinweise nicht gut sind.
Anleitungen haben bei den meisten Menschen aufgrund negativer Erfahrungen schon vorab keine gute User-Experience.
Wenn Warnhinweise vor allgemeinen oder bekannten Gefahren warnen, die der Anwender als bekannt empfindet („das weiß ich doch!“), führt das schnell zu einer weiteren Ablehnung der Anleitung.
Die Struktur einer Anleitung wird normalerweise typografisch mit unterschiedlichen Schriftgrößen transportiert. D.h., der Leser findet sich anhand der gestalteten Überschriften zurecht.
Bei vielen Warnhinweisen ist die Schrift größer als die Überschriften. Dadurch wird die Überschrift möglicherweise nicht wahrgenommen, und der Sinn des Kapitels kann nur schwer entschlüsselt werden.
Ein Anwender nimmt die Anleitung zur Hand, um bestimmte Informationen zu erhalten. Warnhinweise, die vom Benutzer als „unnütz“ eingeordnet werden („das weiß ich doch!“), führen bald zu einem (unbewussten) Überlesen dieser Informationsart, die ja anhand der Formatierung leicht erkennbar ist.
Ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Anleitungen ist, wie schnell sich die gesuchte Information finden lässt (wobei der Suchanlass sehr unterschiedlich sein kann). Das versuchen wir TRs durch eine gute Struktur, ein übersichtliches Layout und strukturierte Darstellungen (Punktaufzählungen, Tabellen etc.) zu erreichen.
Die großen Warnhinweise dominieren die Seiten so stark, dass die Struktur nicht mehr erkennbar und die eigentliche Information schwer auffindbar ist.
Zusammenfassend befürchte ich, dass solche Anleitungen mit
vielen Warnhinweisen als unangenehm und schwer lesbar empfunden werden.
Das führt m.E. dazu dass die Anleitungen noch weniger gelesen werden und die
wichtigen Informationen zur Bedienung und Sicherheit nicht wahrgenommen werden.
Die folgenden Anweisungen geben Ihnen die Möglichkeit, Ihre bisherige Anleitung auf Schwächen im Sinne dieses Buches hin zu überprüfen.
Wenn bei einer Kettensäge die Sicherheits- und Warnhinweise einen großen Platz einnehmen, ist das sicher angebracht. Wenn aber z.B. bei einer LED-Lichtleiste (die im Discounter verkauft wird) der Eindruck entsteht, man habe ein höchst gefährliches Gerät gekauft, dass uns verletzen und umbringen könne, hat der TR etwas falsch gemacht.
· Prüfen Sie, auf welcher Position der Gefährlichkeitsskala Ihr Gerät steht und welchen Eindruck von Gefährlichkeit man beim Lesen der Anleitung hat.
· Kennt der Anwender die Gefahren und weiß er, an welchen Stellen er vorsichtig sein muss?
Ich halte Sicherheits- und Warnhinweise für unnötig, wenn man bei der Zielgruppe das entsprechende Sicherheitsbewusstsein voraussetzen kann.
· Beispielsweise geht ein erwachsener Europäer täglich mit Spannung (230 V) um und kennt die Sicherheitsregeln.
· Die Warnung vor Spannung im Inneren ist nicht notwendig.
Gefahrenpunkte sind Orte oder Maschinenteile, an denen ‒ unabhängig von der speziellen Bedienung ‒ Gefahren auftreten können. Diese Gefahrenpunkte muss ein Anwender (immer und dauerhaft) kennen und beachten.
· Vor diesen Gefahren müssen Sie im Kapitel „Sicherheit“ warnen.
· Die Warnhinweise können Sie gemäß SAFE strukturieren.
Wie schon mehrfach betont wurde, bildet die richtige Anleitung die Grundlage für ein sicheres Handeln (unabhängig von Warnhinweisen).
· Prüfen Sie, ob Sie konkret zum richtigen Handeln anleiten!
§ Ist die Anleitung chronologisch, konkret und genau?
§ Kann der Anwender aufgrund der Anleitung die Gefahren vermeiden?
§ Gelangt der Anwender sicher zum richtigen Handlungsergebnis?
· Die Anleitung in einem Warnhinweis (Entkommen) werte ich nicht als Anleitung. M.E. muss die Anleitung immer außerhalb eines Warnhinweises (ggf. redundant) erfolgen.
· Prüfen Sie, ob Sie die Eskalationsschritte genutzt haben, um die richtige Handlung zu betonen.
Ich halte einen Warnhinweis für falsch, wenn er durch einen einfachen Handlungsschritt ersetzt werden kann. Im positiven Fall können wir dann davon ausgehen, dass der Anwender diesen Schritt korrekt ausführt.
· Prüfen Sie, ob ein Warnhinweis durch eine Handlungsaufforderung ersetzt werden kann.
· Ersetzen Sie ggf. den falschen Warnhinweis durch eine Handlungsaufforderung.
· Verschärfen
Sie die Handlungsaufforderung ggf. durch einen integrierten Warnhinweis, z.B. „Sonst
kann ... passieren und ... verursachen“.
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Handlungsaufforderung |
Warnung |
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· Benutzen Sie Handschuhe! |
statt Warnung vor heißen Teilen |
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· Schalten Sie die Anlage stromlos und sichern Sie sie gegen Wiedereinschalten |
statt Warnung vor Spannung im Innern |
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· Befestigen Sie das Regal an der Wand |
statt Warnung „Regal kann umkippen ...“ |
|
· Befestigen
Sie das Regal an der Wand |
Handlungsaufforderung mit integriertem Warnhinweis |
Überprüfen Sie die Warnhinweise, die vor der Gefahr warnen, die durch ein falsches Handlungsergebnis entsteht (z.B. durch ein nicht an der Wand befestigtes Regal).
· Stellen Sie in diesem Fall den Warnhinweis hinter den Handlungsschritt (denn die Gefahr ergibt sich ja nicht durch das Handeln, sondern durch das Nicht-Handeln oder durch das Falsch-Handeln).
DIN EN ISO 7010, Norm für Graphische Symbole –
Sicherheitsfarben und Sicherheitszeichen – Registrierte Sicherheitszeichen.
www.iso7010.de
DIN EN 82079-1, Erstellen von Gebrauchsanleitungen – Gliederung, Inhalt und Darstellung – Teil 1: Allgemeine Grundsätze und ausführliche Anforderungen. Beuth Verlag, 2013-06
Juhl, Dietrich: Technische Dokumentation: Praktische Anleitungen und Beispiele. 3. Auflage, Springer-Verlag, 2015
Schulz, Matthias: Sicherheits- und Warnhinweise in Anleitungen, verständlich, wirkungsvoll, normenkonform. Sirantha GmbH, 2013
tekom. Leitfaden Sicherheits- und Warnhinweise. tekom, Stuttgart, 2014

Ende der Warning Pollution
Dieses Schild (nicht ganz
ernst gemeint) soll meine Hoffnung zum Ausdruck bringen,
dass die Zeit der vielen und übertriebenen Warnhinweise bald der Vergangenheit
angehört.
Ich wünsche mir wieder lesbare, informative Anleitungen – vielleicht sogar solche,
die gerne gelesen werden.
Impressum
© 2015 Dietrich Juhl
Kontakt: dietrich@juhl.de www.juhl.de
Ausgabe vom 10.02.2026
Format: SnipBook
Jede Art der Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors gestattet.